7 Tage auf dem GR221 in Mallorca…

Teil 1 – Alle Ankunft ist schwer!

Diese Reise auf den Fernwanderweg GR221 auf Mallorca, gemeinhin bekannt als Trockenmauerweg, war von Anfang an etwas anders als meine sonstigen Reisen. Für gewöhnlich plane ich meine Reisen oder Bergtouren bis ins kleinste Detail, was so weit geht, dass ich vorher bereits genau weiß, wo ich zu einer bestimmten, besonders fotogenen, Uhrzeit sein werde. Doch dieses Mal stellte sich irgendwie keine Planungsvorfreude ein. Ich habe lange mit mir selbst gerungen, bis ich es irgendwann eingesehen habe. Ich wollte nicht alles planen, wollte mir keinen Zwang auferlegen, sondern wollte mich einfach treiben lassen.

Nun ist diese Herangehensweise natürlich sehr interessant und aufregend, hat sogar etwas Abenteuerliches. Gleichzeitig schreit sie aber geradezu danach, dass Dinge anders laufen als erwartet.

Los geht es bereits am ersten Tag. Ich lande zwar pünktlich um kurz nach 9:00 Uhr am Flughafen in Palma de Mallorca, aber alles Weitere verzögert sich dann. Der Weg ins Zentrum von Palma, der Kauf der benötigten Gaskartusche, die Busfahrt nach Port d’Andratx. Als ich dort am frühen Nachmittag ankomme, ist es bereits aussichtlos noch bis zu meinem ersten Etappenziel, der Klosterruine La Trapa, zu gelangen. Wohlgemerkt plane ich zu diesem Zeitpunkt noch mit den regulären Gehzeiten, nichts ahnend von den Auswirkungen eines 30 kg schweren Rucksacks auf die Geschwindigkeit. So entscheide ich mich spontan für einen entspannten Auftakt, mit einer Vorübernachtung im wunderschönen Hafenort Port d’Andratx. Diese war auch zwingend notwendig, um meinen Rucksack nochmals neu zu organisieren, denn die Gaskartusche und mehrere Flaschen Wasser hatte ich unterwegs nur notdürftig hineingestopft.

Also frage ich Google nach einer günstigen und schönen Übernachtungsmöglichkeit. Das Ergebnis ist das Hostal Catalina Vera. Diese erste Planänderung beschert mir eines der Highlights dieser Reise. Die alte Finca in Familienbesitz, wunderschön renoviert und einfach nur gemütlich, wird zu meinem „Zuhause“ auf der Insel, zu meinem „Basislager“ für die Erkundung der Serra de Tramuntana. Der Besitzer, bzw. der Sohn der Eigentümerfamilie, ist der geborene Gastgeber. Pablo, mit Hotelerfahrung in Deutschland, hat eine natürliche Begeisterung und Freundlichkeit, welche man sehr selten findet. Mit bald 15 Jahren Erfahrung in der Hotellerie kann ich mir dieses Urteil wohl erlauben. Morgens beim Frühstück, mit frischem knusprigem Brot, Wurst und Käse, Obst und mehr, schenkt er den Kaffee und den frisch gepressten Saft schneller nach als man trinken kann. Stets mit einem Lächeln über das ganze Gesicht. Für mich ist Pablo der Inbegriff eines Gastgebers, der perfekte Direktor für ein 5* Hotel. Oder eben für seine kleine Oase der Ruhe im sonst eher wuseligen Port d’Andratx. Der kleine Innenhof erinnert an einen botanischen Garten, die Zimmer im Neubau sind gemütlich und modern ausgestattet.

Hier stehe ich nun also vor meinem Rucksack und packe diesen nochmals komplett aus, alles fein säuberlich auf dem Bett sortiert. Der Sonnenuntergang rückt näher. Den kann ich mir nicht entgehen lassen, zum einen, da die Location unten im Hafen einfach zu schön ist, zum anderen, da ich ja heute noch irgendwas Produktives leisten muss.

Die Uferpromenade von Port d'Andratx im letzten Licht des Tages.

Die Uferpromenade von Port d'Andratx im letzten Licht des Tages.

Wenige Minuten später sitze ich mit meiner neuen Fuji X-T20 auf einer kleinen Bank im Hafen. Diese tolle Kamera habe ich von Fuji und dem DigitalPHOTO Magazin bekommen, um einen Testbericht für die Juni-Ausgabe zu verfassen. Ich spiele etwas mit der kleinen Kamera im Retrolook und bin sofort begeistert von der Bildqualität. Die Bedienung ist zwar noch etwas ungewohnt, da ich noch nie mit dem Fuji-System gearbeitet habe, aber schon nach wenigen Minuten geht es immer besser von der Hand. Es gelingen mir auf Anhieb einige sehr stimmungsvolle Aufnahmen.

Der Hafen von Port d'Andratx mit Blick auf die "Aufgaben" der nächsten Tage im Hintergrund.

Der Hafen von Port d'Andratx mit Blick auf die "Aufgaben" der nächsten Tage im Hintergrund.

Die Sonne versinkt hinter den Häusern auf dem Hügel in Port d'Andratx. So muss ein Tag enden!

Die Sonne versinkt hinter den Häusern auf dem Hügel in Port d'Andratx. So muss ein Tag enden!

Etwa 2 Stunden später stehe ich wieder vor dem leeren Rucksack und dem vollen Bett. Es hilft alles nichts, da muss jetzt Ordnung rein! Ich überwinde mich also und konzentriere mich, es muss jetzt alles so verstaut werden, dass ich die nächsten Tage möglichst wenig im Rucksack herumwühlen muss. Etwa 15 Minuten später, stelle ich den unglaublich schweren Rucksack in eine Ecke. Mir wird angst und bange bei der Vorstellung diesen auf dem Rücken tragen zu müssen. Mit seinen 30 kg wird bereits das Schultern zu einer echten Kraftprobe.

Nun steht aber endlich der gemütliche Teil des Abends auf dem Programm. Mit einem Glas Rotwein, einer guten Zigarre und dem Benutzerhandbuch der Fuji X-T20 mache ich es mir auf einem Stuhl auf meiner kleinen Terrasse bequem.

Nach dem ganzen Stress der Anreise und ersten unvorhergesehenen Schwierigkeiten, erstmal etwas Entspannung.

Nach dem ganzen Stress der Anreise und ersten unvorhergesehenen Schwierigkeiten, erstmal etwas Entspannung.

Ich möchte noch etwas Sicherheit im Umgang mit der Kamera gewinnen, außerdem die Funktionstasten auf meine Bedürfnisse einstellen. Nachdem dies erledigt ist, gilt es noch etwas zu entspannen. Zumindest das fällt in dieser Umgebung alles andere als schwer.

Ab morgen wird es ernst!