Familienwanderungen im Berchtesgadener Land – Vier Touren für Groß & Klein
Ein abwechslungsreiches Wanderparadies für Familien
Die Eltern unter uns wissen, wie herausfordernd sich die Tourenplanung gestaltet, wenn der Nachwuchs mit an Bord ist. Ist die Tour körperlich zumutbar? Gibt es unterwegs ausreichend Verpflegungsmöglichkeiten? Bietet die Route genügend Abwechslung, um dem gefürchteten „Wie weit ist es noch?“ entgegenzuwirken? Das Berchtesgadener Land in Bayern liefert alle Zutaten für einen spannenden Wanderurlaub mit Kindern: idyllische Badeseen, imposante Tiefblicke, eindrucksvolle Gipfel, einen kleinen Gletscher, urige Almen und sogar einen geheimnisvollen Zauberwald.
Traumhafter Ausblick von der Archenkanzel auf den Königssee.
Unsere Familie hat vier Wanderungen im Berchtesgadener Land getestet – jede mit ihrem eigenen Charakter und voller Abenteuer für Groß und Klein.
Übersicht der empfohlenen Familienwanderungen
Schärtenalm & Blaueisgletscher – urige Alm, Kaiserschmarrn und der nördlichste Gletscher der Alpen.
Hintersee – Zauberwald – Ramsau – Postkartenidylle und ein märchenhaft verwunschener Wald.
Wimbachklamm – wildromantische Schlucht mit Brücken und Aussichtspunkten.
Kührointalm & Archenkanzel – Hochalmen im Herzen des Nationalparks und Panorama auf den Königssee.
Schärtenalm & Blaueisgletscher – Genuss und Gletscherabenteuer
Der Start unserer Wanderwoche führt uns auf die Schärtenalm im Hochkaltermassiv. Die Alm auf 1 359 Metern wird von Annemarie Graßl und ihrer Familie bereits in vierter Generation bewirtschaftet. Ihr berühmter Kaiserschmarrn aus der gusseisernen Pfanne stärkt viele Wanderer auf dem Weg zur Blaueishütte oder zu den schroffen Gipfeln der Umgebung.
Highlights: Der sanft ansteigende Forstweg von der Alm führt uns in etwa 45 Minuten durch einen Lärchenwald hinauf zur Blaueishütte. Von dort eröffnen sich spektakuläre Ausblicke auf den türkisfarben schimmernden Hintersee. Über einen Weg, der sich zwischen riesigen Felsblöcken hindurchschlängelt, erreichen wir in rund 1½ Stunden das Toteisfeld und den nördlichsten Gletscher der Alpen. Kleine Schneefelder und Klettermöglichkeiten machen den Zustieg für Kinder spannend und kurzweilig. Diese bergsteigerischen Herausforderungen lassen unseren achtjährigen Sohn Diego gar nicht erst in den Nörgel‑Modus umschalten.
Vom Hintersee durch den Zauberwald nach Ramsau – Postkartenidylle & märchenhafter Wald
Am nächsten Morgen geht es nach zurück nach Ramsau. An der Bushaltestelle am Hintersee beginnt der Weg in den Zauberwald. Wir lassen Restaurants und Bootsverleiher am Seeufer hinter uns und erreichen kurz darauf die Waldgrenze. Dort präsentiert sich das berühmte „Postkartenmotiv“: zwei Felsblöcke im See, auf denen zierliche Bäume wachsen, spiegeln sich im klaren Wasser - dahinter erhebt sich das Hochkaltermassiv.
Wegbeschreibung und Highlights: Der idyllische Hintersee mit seinem flach abfallenden Ufer lädt zu einer Badepause ein. Danach windet sich der Pfad durch den Zauberwald zwischen moosbewachsenen Felsblöcken hindurch. Das Zusammenspiel aus Felssturzmaterial, dichtem Fichtenwald und glasklarer Ramsauer Ache macht den Weg zu einem großen Abenteuerspielplatz. Diego nutzt die Felsen zum Klettern und genießt den türkis schimmernden Fluss. Am Ende des Zauberwaldes führt der Weg in den Ramsauer Mühlsteinweg: Wir passieren eine alte Mühle und erreichen die sogenannten Gletscherquellen, wo das Schmelzwasser des Blaueisgletschers nach 1 500 Höhenmetern im Fels an die Oberfläche tritt. Entlang der Ramsauer Ache wandern wir bis zur Pfarrkirche St. Sebastian im Zentrum von Ramsau. Die Mischung aus Naturwunder und kindgerechter Abwechslung macht diese Tour zu einem besonderen Erlebnis.
Wimbachklamm – Schluchtwanderung zwischen Fels und Wasser
Zwei Tage später zieht es uns zur Wimbachklamm. Ab der Wimbachbrücke am Ortsrand von Ramsau folgen wir der Straße bergauf zum Automaten, lösen die Eintrittskarten und gelangen nach wenigen Hundert Metern durch ein Drehkreuz in eine faszinierende Welt aus Fels und Wasser.
Erlebnis‑Highlights: Der liebevoll angelegte 200‑Meter‑Steg schlängelt sich über Brücken und Stege durch die steile Schlucht. Immer wieder laden Aussichtsplattformen dazu ein, dem Rauschen des Wimbachs zu lauschen. Wer nach der Klamm noch weitergehen möchte, kann zum historischen Wimbachschloss wandern, dem ehemaligen Jagdschloss von Prinzregent Luitpold. Wir entscheiden uns für den Rückweg durch die Klamm und kehren im Wirtshaus Hocheck nahe der Wimbachbrücke ein. Die Schlucht ist zwar kurz, doch ihre wildromantische Landschaft lädt zum Staunen und Verweilen ein.
Kührointalm & Archenkanzel – Hochebene mit Panoramablick
Unsere letzte Tour beginnt erneut an der Wimbachbrücke. Zunächst geht es über eine breite Forststraße bis zu den Schappachalmen. Dort gönnen wir uns eine kühle Erfrischung aus dem „Almkühlschrank“, einem mit kaltem Wasser gefüllten Holzbrunnen. Die Sennerin stellt Diego die erst wenige Tage alten Kälber vor. Wir wandern weiter über Almwiesen und später auf einem schmalen Pfad durch dichter werdenden Bergwald.
Höhepunkte der Tour: Nach knapp drei Stunden erreichen wir die Kührointalm auf einer weiten Hochebene in 1 420 Metern Höhe im Herzen des Nationalparks Berchtesgaden. In der gemütlichen Stube lassen wir uns die hausgemachten Kuchen schmecken und genießen abends ein leckeres Drei‑Gang‑Menü. Vor dem Abstieg am nächsten Morgen machen wir einen 20‑minütigen Abstecher zur Archenkanzel. Von diesem Aussichtspunkt bietet sich ein atemberaubender Blick über den Königssee und die umliegende Bergwelt.
Malerische Abendstimmung auf der Kührointalm im Berchtesgadener Land.
Fazit – Naturerlebnisse statt Bildschirmzeit
Eine wunderschöne Wanderwoche geht zu Ende. Das abwechslungsreiche Tourenangebot im Berchtesgadener Land hat unseren Sohn Diego die Existenz elektronischer Unterhaltungsgeräte nahezu vergessen lassen. Ein geheimnisvoller Zauberwald, ein reißender Wildbach zwischen steilen Felswänden oder ein Gletscher können diese spielerisch ersetzen. Diese Erkenntnis nehmen wir gerne mit nach Hause und sind ehrlich gesagt sehr froh darüber.
Diese Artikel erschien ursprünglich in der Sommerausgabe 2019 des Magazins “Aktiv in den Alpen”. Für diesen Blogbeitrag wurde der Artikel in ein SEO-freundlicheres Format umgewandelt, inhaltlich jedoch kaum verändert.
Nützliche Links:
Tourismusverband Berchtesgaden
Weitere Familienwanderungen im Tiroler Stubaital gibt es hier.