Im Rahmen der Recherche zu meinem Wanderführer "Stuttgart - 30 Wanderungen zwischen Wald und Weinbergen", der im kommenden Juli erscheinen wird, habe ich in den letzten Monaten mehr Zeit im Naturpark Schönbuch verbracht, als in den vergangenen 6 Jahren zusammen. Ich habe festgestellt, dass jeder Besuch im Naturpark fast zwangsläufig einen nächsten nach sich zieht. Bei jeder Wanderung stößt man auf irgendwas, das beim nächsten Mal genauer entdeckt werden will, oder auf eine Abzweigung, die an einen weiteren, noch unbekannten Ort führt.
Da sich der Naturpark Schönbuch über eine Fläche von 156 km² erstreckt und über mehr als 500 km an ausgeschilderten Wanderwegen verfügt, wird die "To-Hike-Liste" in absehbarer Zeit eher länger als kürzer. Betrachtet man hingegen die Schönbuchregion, die im Norden auch noch das idyllische Siebenmühlental einschließt, direkt vor meiner "Haustüre" gelegen, dann wird dieses Gebiet sogar noch erheblich größer.
Ein besonderes Highlight im Schönbuch ist die malerische Ortschaft Bebenhausen, die als einzige Siedlung innerhalb der Grenzen des Naturparks liegt. Das wunderschön erhaltene Kloster und Schloss Bebenhausen bildet das Zentrum der kleinen Ortschaft. Hier gibt es reichlich Geschichte innerhalb der alten Mauern. Es ist wenig überraschend, dass der Schönbuch zu den Lieblingsplätzen des letzten Königs von Württemberg gehörte. Es ging soweit, dass er regelmäßig für mehrere Tage im Wald verschwand, ausgiebig seinen Jagdhunger stillte und sogar die Regierungsgeschäfte aus seiner kleinen, einfachen Jagdhütte auf dem Steingart ausübte.
Die Königliche Jagdhütte auf dem weiten Hochplateau des Steingart, mitten im Naturpark Schönbuch.
König Wilhelm II. verbrachte seine letzten Lebensjahre überwiegend im Schloss Bebenhausen, nachdem die Monarchie in Württemberg abgeschafft worden war und er Stuttgart weitestgehend zu meiden versuchte.
Panorama von Bebenhausen, mit seiner historischen Klosteranlage.
Auf meiner langen Liste der geplanten Aufnahmen hier in der Region Stuttgart, die das Gebiet in meinem Wanderführer darstellt, waren auch noch verschiedene, etwas aufwendigere Aufnahmen von Bebenhausen und seinem Kloster: eine Zeitrafferaufnahme bei Sonnenaufgang, ein hochauflösendes Panorama und einige Luftbildaufnahmen des Klosters, an einer der sehr seltenen Stellen, wo das Fliegen einer Drohne erlaubt ist.
Blick über das Kloster Bebenhausen auf den Eingang zum Goldersbachtal, das tief in den Naturpark Schönbuch hineinführt.
Ich muss ehrlich gesagt ein wenig überlegen, um mich an meinen letzten Sonnenaufgang zu erinnern. Normalerweise fotografiere ich diese spezielle Tageszeit überwiegend in den Bergen, was allerdings pandemiebedingt seit Monaten nicht wirklich möglich ist. So kostete es mich doch einiges an Überwindung, nach Monaten der geregelten Zeiten, mal wieder im Morgengrauen aufzustehen und bei Minusgraden aufzubrechen. Als ich aber auf der Busfahrt die ersten feuerroten Verfärbungen am Himmel entdeckte, war mir sofort wieder klar, wie sehr mir dieses Gefühl gefehlt hatte: den inneren Schweinehund überwinden, in der Kälte stehen und den Beginn eines neuen Tages ganz bewusst wahrnehmen. Auch das Gefühl morgens um 8:30 Uhr bereits so viel geschafft zu haben, ist immer wieder erfüllend.
Los ging es direkt nach Ankunft am Fotospot mit der Zeitrafferaufnahme, da diese natürlich extrem zeitaufwendig ist. Für eine kurze Sequenz von etwa 25 Sekunden muss über eine Stunde fotografiert werden (die stundenlange Nachbearbeitung zu Hause mal außen vor gelassen). Als sich die Sonne dann endgültig über das dichte Blätterdach des Schönbuchs gekämpft hatte und die wärmenden Strahlen die Kälte vertrieben, wurde mir klar, dass ich auf der falschen Seite des Klosters stand. Ich wählte diesen Spot zwar bewusst, da er die kompletteste Ansicht der weitläufigen Klosteranlage bietet, aber vom gegenüberliegenden Hang sieht man die Sonne selbst aufsteigen. Somit wären wir wieder beim eingangs erwähnten Punkt: jeder Besuch zieht einen weiteren nach sich. Wichtig zu erwähnen ist noch folgendes Detail (als kleiner Tipp): bei aufwendigen Aufnahmen sollte man stets die Bildkomposition genauestens prüfen, sich die Vergrößerung und vor allem die Ecken des Bildausschnitts anschauen. Nach den ersten 40 der benötigten 500 Aufnahmen fiel mir nämlich auf, dass ich den Schreibturm "ausgegrenzt" hatte, einen wichtigen Bestandteil der Anlage. Somit musste nochmals neu gestartet werden.
Im Schreibturm ist heutzutage das Besucherzentrum des Naturparks Schönbuch untergebracht.
Das Gegenstück zum Schreibturm im Westen ist der “Grüne Turm” im Osten der weitläufigen Klosteranlage Bebenhausen. Auf dem Panorama sind die beiden Türme gut zu erkennen.
Nach Abschluss des Zeitraffers stand dann das Panorama auf dem Plan. Das Motiv an sich wäre auch mit einer einzigen Aufnahme möglich gewesen, aber das manuell angefertigte Panorama aus 10 vertikalen Bildern bietet eine unglaubliche Auflösung und könnte bei Bedarf in einem riesigen Format gedruckt werden. Abschließend benötigte ich noch einige schöne Luftaufnahmen des Klosters Bebenhausen, die ich vor allem in einem kleinen Trailer zum Wanderführer "Stuttgart - 30 Wanderungen zwischen Wald und Weinbergen" einbauen möchte. Dieser soll mit einigen schönen Aufnahmen aus den verschiedenen Wandergebieten Schönbuch, Schwäbisch-Fränkischer Wald, Stadtgebiet Stuttgart sowie Neckar-, Enz- und Remstal, Lust machen auf die abwechslungsreichen Wanderungen in der Region Stuttgart.
Aus der Vogelperspektive ist die Klosteranlage mit dem schönen Innenhof zu erkennen.
Zwar wurde dieses Projekt aus der Not heraus geboren, da meine üblichen Ziele aufgrund der Beschränkungen in den letzten 12 Monaten überwiegend vom Tisch waren, aber rückblickend bin ich froh darüber, endlich die Schönheit und Vielseitigkeit meiner Heimat zu entdecken. Dazu möchte ich ab Juli gerne auch andere inspirieren!
Die schönsten Wanderungen in der Region Stuttgart gibt es in meinem neuen Wanderführer, der Ende Juli im Conrad Stein Verlag erscheint.