PICO DUARTE

"Auf dem Dach der Karibik"

Wenn man von der Dominikanischen Republik spricht, dann denken die meisten an weiße Traumstrände und Rum. Man kann es aber auch in eine 4-tägige Trekkingtour auf zwei waschechte 3.000er verwandeln. Der Rum muss dabei nicht zwangsläufig auf der Strecke bleiben, denn am abendlichen Lagerfeuer schmeckt dieser sogar noch besser als am Strand!

Abendliche Routine: Lagerfeuer, Rum und lustige Geschichten.

Abendliche Routine: Lagerfeuer, Rum und lustige Geschichten.

Ich habe meinen karibischen "Hausberg" bereits 4-mal über die Normalroute bestiegen. Dieses Mal geht es allerdings über die landschaftlich schönste und längste Route auf den höchsten Gipfel der Karibik. Ausgehend vom kleinen Ort Mata Grande müssen in 4 Tagen stolze 68 Kilometer bewältigt werden.

Die einheimischen Guides und die Lastenesel bei einer Pause im Schatten.

Die einheimischen Guides und die Lastenesel bei einer Pause im Schatten.

Die Esel sind beladen. Persönliches Gepäck, Essen und Kochutensilien für 4 Tage möchte man wahrlich auch nicht auf dem Rücken tragen. Es gibt unterwegs keine bewirtschafteten Hütten wie man es aus den heimischen Alpen kennt, nur einfache Holzhütten. Gekocht wird wie vor 100 Jahren über offenem Feuer. Die erste Etappe führt uns über 20 Kilometer durch tropischen Bergwald. Der Weg ist ein ständiges Auf und Ab, was unglaublich an die Substanz geht. Unser heutiges Tagesziel ist die Unterkunft "Las Guacaras", direkt am Ufer des gleichnamigen Flusses. Das Bad fällt, auch für deutsche Verhältnisse, sehr kalt aus. Das Gute daran ist, dass man sich anschließend wie neugeboren fühlt. Die ganzen Strapazen werden einfach aus dem müden Körper gespült.

Hütte "Las Guacaras" am Ende des ersten Tages.

Hütte "Las Guacaras" am Ende des ersten Tages.

Am nächsten Morgen geht es gut gestärkt weiter. Dominikaner frühstücken kein Müsli oder Brot. Kochbananen und frittierte Salami müssen da auf den Teller damit die Motoren anlaufen. Heute steht mit nur 12 Kilometern die kürzeste der vier Etappen auf dem Programm. Unser Ziel ist das idyllische Tal "Valle de Bao", einer der kältesten Orte auf der ganzen Insel. Hier fallen die Temperaturen nachts gerne auf den Gefrierpunkt. Die Landschaft erinnert einen eher an die Schweiz als an die Karibik. Bereits am ersten Tag habe ich mir zwei riesige Blasen an den Fersen gelaufen, trotz bewährter Wanderschuhe. Es muss an der Hitze und der hohen Luftfeuchtigkeit liegen.

Auftakt nach Maß: Tag 1 endet mit zwei riesigen Blasen.

Auftakt nach Maß: Tag 1 endet mit zwei riesigen Blasen.

Es geht weiter durch dichten, grünen Bergwald. Immer mal wieder kommt man sich gar vor wie im Urwald. Der Nationalpark "José Armando Bermúdez", in dem wir uns während der vier Tage bewegen, gilt als die grüne Lunge der Dominikanischen Republik. Eine Vielzahl ihrer größten und wichtigsten Flüsse entspringt hier. Unser heutiges Ziel, die etwas in die Jahre gekommene Holzhütte im "Valle de Bao", ist da keine Ausnahme. Hinter der Hütte geht es einen matschigen und steilen Pfad hinunter zum Fluss, dem Rio Bao. Er entspringt nur wenige hundert Meter vor der Hütte, zuerst unterirdisch. Kurz vor der Hütte wechselt er an die Oberfläche und nimmt Fahrt auf. Am Abend gibt es ein dominikanisches Nationalgericht: Reis mit Hühnchen und frittierten Kochbananen. Anschließend das abendliche Ritual: der ein oder andere Schluck Rum und viele lustige Geschichten begleiten das Knistern des Lagerfeuers unter dem Sternenhimmel.

Das Tal "Valle de Bao", wenige Meter vor der Ankunft am Lager für die 2. Nacht.

Das Tal "Valle de Bao", wenige Meter vor der Ankunft am Lager für die 2. Nacht.

Nicht gerade typisch karibisch, aber ein wunderbarer Ort um nach einem langen Wandertag zu entspannen: das kalte Nass des Rio Bao, wenige Meter hinter dem Lager.

Nicht gerade typisch karibisch, aber ein wunderbarer Ort um nach einem langen Wandertag zu entspannen: das kalte Nass des Rio Bao, wenige Meter hinter dem Lager.

Die Nacht war kalt. Sehr kalt. Mehrmals bin ich zitternd in meinem Schlafsack aufgewacht. Am heutigen Tag geht es über den Gipfel "La Pelona" (3.085m) zum höchsten Gipfel der Karibik, dem "Pico Duarte" (3.087m). Eine Strecke von 18 Kilometern, mit ca. 1.300 Höhenmetern, muss zurückgelegt werden. In dieser Höhe wird selbst die tropische Vegetation etwas karger. Eine Baumgrenze sucht man hier in der Karibik allerdings vergebens. Es ist keine Seltenheit, dass direkt neben dem Gipfelkreuz Bäume stehen. Die vielen rauschenden Flüsse finden wir nun nicht mehr. Diese entspringen alle unterhalb von 2.600 Metern Höhe. Das bedeutet wir müssen Wasserreserven aufstocken, denn die Etappe ist lang. Hinzu kommt, dass wir nun der Hitze und der Sonne noch stärker ausgesetzt sind als in den vorigen Tagen im dichten Wald. Der letzte Anstieg hoch zum ersten der beiden Gipfel ist kräftezehrend. Der Sonne schonungslos ausgeliefert, geht es gut 30 Minuten steil hinauf. Oben dann eine wohlverdiente Pause.

Weiter geht es hinab in die Hochebene "Valle de Lilís", welche die beiden fast identisch hohen Gipfel trennt. Hier hat die dominikanische Regierung eine völlig überdimensionierte und sehr moderne Schutzhütte gebaut. Leider wird diese gar nicht genutzt, denn es gibt keine Wasserquelle hier oben. Eine politische Fehlinvestition wie aus dem Bilderbuch! Alle Gipfelaspiranten, und auch diejenigen, die nach der Besteigung nicht direkt ins Tal aufbrechen wollen, übernachten in der Schutzhütte "La Compartición" auf 2.450 Metern, dem Herzstück des Nationalparks.

Der Gipfel nähert sich, die Vegetation wird spärlicher.

Der Gipfel nähert sich, die Vegetation wird spärlicher.

Zuerst stehen allerdings die letzten 20 Minuten Aufstieg an. Durch merklich lichtere Vegetation geht es hinauf auf das "Dach der Karibik", den Gipfel des Pico Duarte, mit 3.087 Metern der höchste Berg der Antillen. Neben dem Gipfelkreuz weht die dominikanische Fahne. An ihrer Seite genießt die Statue des Nationalhelden und Freiheitskämpfers Juan Pablo Duarte die eindrucksvolle Fernsicht über die grüne Hügellandschaft der Zentralkordillere.

Nationalstolz am Gipfel des Pico Duarte.

Nationalstolz am Gipfel des Pico Duarte.

Etwa 1 1/2 Stunden später erreichen wir die Schutzhütte "La Compartición". Diese wurde vor wenigen Jahren komplett renoviert und ist mittlerweile sehr wohnlich geworden. Vor allem die große Feuerstelle, ringsherum von Holzbänken umgeben, macht ihrem Namen alle Ehre. "La Compartición" bedeutet übersetzt "Zusammensein". Genau das geschieht hier jeden Abend, wenn alle zum Essen zusammenkommen und anschließend am Lagerfeuer, bei Rum und heißer Schokolade, Geschichten ausgetauscht werden. Für viele sind diese Momente noch eindrucksvoller und unvergesslicher als der Gipfelerfolg selbst. Mitten in der Karibik, auf knapp 2.500 Metern, trifft man Gleichgesinnte aus aller Welt und tauscht sich aus. Bergbegeisterte aus der Dominikanischen Republik, Deutschland, Italien, Frankreich, Spanien, den USA, Kanada, Chile, Argentinien und einigen weiteren Ländern habe ich dort schon angetroffen. Trotz der verschiedenen Sprachen versteht man sich bestens in „La Compartición“.

Wohnzimmer, Esszimmer, Mittelpunkt des Lagers. Die Feuerstelle in La Compartición.

Wohnzimmer, Esszimmer, Mittelpunkt des Lagers. Die Feuerstelle in La Compartición.

Nach einem langen, geselligen Abend und einer kurzen Nacht, geht es am nächsten Morgen an den Abstieg über die Normalroute. Diese führt vorbei an der sumpfigen Quelle des Flusses "Rio Yaque del Sur". Gut 14 Kilometer später, und 1.350 Höhenmeter tiefer, geht dieses unvergessliche Abenteuer zu Ende. Erschöpft vom langen Abstieg unter karibischer Sonne, erreichen wir zufrieden das Büro der Nationalpark-Verwaltung in der kleinen Siedlung Manabao. Wir feiern den Abschluss einer grandiosen Tour, zusammen mit unseren Guides, bei einem eiskalten "Presidente", dem Lieblingsbier der Dominikaner. Es ist ein Abschied auf Zeit. Es gibt noch zwei weitere Routen auf meinen "Hausberg" in der Karibik. Der Pico Duarte wird mich wiedersehen.

Sonnenaufgang knapp unterhalb des Gipfels. Für diese Aufnahme bin ich gegen 4:00 Uhr morgens mit einer anderen Gruppe, deren Guide ich vom Gleitschirmfliegen kannte, nochmals mit aufgestiegen, bzw. geritten. Einen zusätzlichen Fußmarsch ließen meine überdimensionierten Blasen nicht mehr zu, aber ein Eselsritt im Dunkeln hat auch so seine spannenden Momente!

Sonnenaufgang knapp unterhalb des Gipfels. Für diese Aufnahme bin ich gegen 4:00 Uhr morgens mit einer anderen Gruppe, deren Guide ich vom Gleitschirmfliegen kannte, nochmals mit aufgestiegen, bzw. geritten. Einen zusätzlichen Fußmarsch ließen meine überdimensionierten Blasen nicht mehr zu, aber ein Eselsritt im Dunkeln hat auch so seine spannenden Momente!

Morgenstimmung auf 2.950 Metern in der Karibik. Im Hintergrund der Gipfelaufbau des Pico Duarte.

Morgenstimmung auf 2.950 Metern in der Karibik. Im Hintergrund der Gipfelaufbau des Pico Duarte.

Da ich mich in dieser Gegend sehr gut auskenne, können sich Interessierte gerne mit Fragen an mich wenden. Ich habe noch immer gute Kontakte zu einheimischen Tourenveranstaltern und Guides.